Radio-Club macht eine ganz schöne Welle

Siegfried Langner, Rudolf Thiel und Vorsitzender Theodor-Johannes Arns (v.l.)

Sie sind drei von 80.000: Siegfried Langner, Rudolf Thiel und Vorsitzender Theodor-Johannes Arns (v.l.) gehören zum Amateur-Radio-Club-Ortsverband Lippstadt. Von den 80.000 Amateurfunkern in Deutschland sind etwa 47.000 einem solchen Verband angeschlossen.

 

Radio-Club macht eine ganz schöne Welle

Heimische Funkamateure sind in der ganzen Welt unterwegs

Lippstadt. (so) Rudolf Thiel greift nach dem Mikrofon, dreht an dem Knopf einer seiner zahlreichen Apparaturen und findet eine Stimme in denWeiten Deutschlands. „DJ2XJ, darf ich in eure Runde eintreten?“, fragt der 86 Jährige höflich in die Funkergruppe, die ihn nicht nur freundlich einlädt, sondern sich auch namentlich vorstellt. Wobei, namentlich ist so eine Sache. Aus dem Lautsprecher ertönt ein Buchstaben und Zahlenwirrwarr flankiert mit unverständlichen Abkürzungen. Doch
Theodor Johannes Arns (63) und Siegfried Langner (70), die hinter Rudolf Thiel stehen, lachen zwischendurch immer wieder und amüsieren sich köstlich über die Versammlung abendlicher Funkamateure aus dem ganzen Bundesgebiet.

Früher alles noch selber gebaut

Kein Wunder, dass sie jede noch so hieroglyphenartige Abkürzung auf Anhieb verstehen, denn alle drei sind lang jährige Mitglieder des Amateur Radio Club Ortsverbandes Lippstadt.
Genauso technisch hochtrabend wie der mit Elektronik vollgestopfte Kellerraum von Thiel gestaltet sich das Gespräch mit dem Funkveteranen Trio. Doch unter den ganzen Fachbegriffen mischt sich auch ein Gefühl mit ein, das sogar auf den Laien überspringt: die Leidenschaft fürs Funken.
„Früher haben wir noch alles selber gebaut. Man konnte keine fertigen Funkgeräte kaufen“, erklärt Thiel. Da seien Gespräche nach Japan oder in die USA wahre Erfolgserlebnisse gewesen. Bei diesen Kontakten spiele allerdings der eigene Name keine Rolle, denn dieser werde gegen ein Rufzeichen getauscht (seiner lautet DJ2XJ). Jeder Funkamateur hat eine solche weltweit einzigartige Signatur. 36 Mitglieder hat der heimische Ortsverband, der 1950 das Licht der Welt erblickte. Aber der ausbleibende Nachwuchs macht dem Verein arge Probleme. „Ohne abgelegte Prüfung darf man nicht funken und für diese muss echt viel gelernt werden“, weiß der 63-jährige Langner alias DF4DF. Die Einarbeitungszeit von knapp einem Jahr für die Anfängerzulassung schrecke viele junge Leute ab, vor allem in Zeiten von Handys und Internet: „Die fragen sich, warum sie diesen Aufwand betreiben sollen“.
Obwohl, vor einigen Jahren gab es am Evangelischen Gymnasium in Lippstadt zusammen mit dem hiesigen Club ein Projekt, bei dem Schüler mit der Besatzung der ISS-Raumstation sprachen. „Aber diese sind im Zuge des Studiums und Berufsbeginns weggezogen“, erklärt DG5DAC, auch als Theodor-Johannes Arns bekannt.

Erst einmal das Knöpfchen drücken

Nach all der Theorie folgt die Praxis: Ich nehme das Mikro in die Hand und bekomme den wertvollen Hinweis, den Knopf darauf zu drücken, bevor ich hineinspreche. Ich begrüße meinen Funkpartner, warte andächtig eine Weile auf die Antwort - und mache sogleich den nächsten Fehler. „Man muss den Knopf wieder loslassen, um etwas zu hören“, erschallt der rettende Hinweis. Und, siehe da, mein Gespräch mit Rainer Gädicke, einem Funkerkollegen aus Lippstadt, kann unter den aufmerksamen Augen der Funk-Routiniers beginnen. Am Ende des faszinierenden Experiments heißt es: „Viele Grüße“. Oder in der Funksprache: „73“.

Mit freundlicher Genehmigung :

Copyright und Foto: Sanimir Osmic, Wochentipbericht vom 22.02.2012